Politischer Nachbericht zum 1. Mai 2026

Der 1. Mai ist der Kampftag unserer Klasse. Er steht wie kein anderer für die Überwindung des ausbeuterischen Kapitalismus, eine sozialistische Perspektive, unseren Zusammenschluss und unsere Stärke als Arbeiter:innen. Damit hat der erste Mai auch seine Qualität in seiner Tradition und Kontinuität: Kommunist:innen und Gewerkschafter:innen gehen seit 140 Jahren auf die Straße, um für bessere Arbeitsbedingungen und einen revolutionären Bruch mit den Verhältnissen zu kämpfen.
Seit einigen Jahren wird diese Tradition auch wieder in Karlsruhe auf die Straßen getragen – in Form einer klassenkämpferischen Beteiligung an der Gewerkschaftsdemonstration und danach an der revolutionären 1. Mai Demonstration. Diese wird von uns, dem Revolutionären Aufbau, gemeinsam mit Genoss:innen der Bewegung gestaltet.
Über die letzten Jahre sind wir dabei immer weiter gewachsen, haben uns weiter entwickelt, aus Fehlern gelernt und neue Wege ausprobiert. Dieses Jahr konnten wir über 1000 Menschen auf die revolutionäre 1. Mai Demo mobilisieren, so viele wie noch nie.
Zudem gab es starke klassenkämpferische Bereiche und Zubringerdemos zu den DGB Veranstaltungen in Landau und Karlsruhe.

Die besondere Qualität dabei liegt nicht nur auf der Straße, sondern auch in der Phase der Vorbereitung, in der wir voneinander lernen, miteinander diskutieren und gemeinsam ein Teil zum Aufbau einer revolutionären Bewegung beitragen.

Als Klasse kämpfen!

Besonders am 1. Mai wollen wir ein Fokus darauf legen, wie wir eine revolutionäre Perspektive in Gewerkschaften, Vierteln, Betrieben und unserer Bewegung greifbar machen können.

Damit das gelingen kann, müssen wir uns die Situation und Kämpfe unser Klasse, in der aktuellen Krisenentwicklung, anschauen.
In der Zuspitzung der kapitalistischen Krise, die damit wachsende Unzufriedenheit und der geringer werdenden Legitimation für die aktuelle Politik der Herrschenden, können wir ansetzen. Wir versuchen verständlich und selbstbewusst unsere sozialistische Perspektive breiter greifbar zu machen, denn auch wenn sich die Legitimationskrise noch nicht in einer Ablehnung der Ausbeutungsverhältnisse als solche zeigt, sondern eher in diffuser Unzufriedenheit und kurzlebiger Empörung, ergeben sich genau hier Potentiale in diese Stimmung einzuwirken und die Widersprüche in diesem System zu zuspitzen.

Das bedeutet, dass wir auch einen besonderen Stellenwert im Ansprechen von den Teilen unserer Klasse sehen, die die Krisenentwicklung konkret spüren und merken, dass die Perspektive einer anderen Gesellschaft eine Frage der Notwenigkeit ist.

Besonders junge Menschen sind unserem Aufruf gefolgt. Viele davon waren schon zuvor Teil einer neu aufkommenden anti-militaristischen und anti-imperialistischen Bewegung. Die lokale kurdische Bewegung, die palästinensische Bewegung, so wie die Schulstreikbewegung hat öffentlich zur revolutionären Demo mobilisiert und war gemeinsam mit uns auf der Straße.
Auch viele Frauen, die die Folgen der Krise in allen Aspekten ihres Lebens schon deutlich zu spüren bekommen, beteiligten sich an der Demo.

Arbeit in, mit und um die Gewerkschaften

Auch wenn die Arbeit mit und in den Gewerkschaften oft mühselig und voller Widersprüche ist, sehen wir sie als elementaren Bestandteil im Aufbau einer revolutionären Bewegung. Hierfür brauchen wir eine Verankerung nicht nur im Gewerkschaftsapperat – auch wenn das ein wichtiger Anknüpfungspunkt sein kann – sondern auch in den Betrieben selbst.

In der bisherigen Arbeit bewegen wir uns in dem Spannungsfeld zwischen Kontakte knüpfen und Politisierung von betrieblichen und sozialen Kämpfen und der Gefahr sich unentgeltlich vor den Karren des Funktionärsapparat spannen zu lassen. Das macht die Arbeit oft sehr schwierig, aber auch lehrreich.

Am 1. Mai wollen wir Kolleg:innen aus verschiedenen Betrieben und Branchen zusammenbringen und mit ihnen den Kern einer kämpferischen Gewerkschaftsbasis bilden. Hierbei machen wir jedes Jahr weitere Schritte.
In diesem Jahr hat sich vor allem unser Verhältnis zur Gewerkschaftsjugend weiter ausgebaut und gefestigt. Unter dem Motto „Nie wieder Wehrpflicht“ organisierten diese eine eigene Auftaktkundgebung, um selbst darüber zu bestimmten, wer dort sprechen darf. Die DGB Spitze wollte zuvor unseren, seit Jahren bestehenden Redeplatz, wegen einer zu kritischen Einordnung letztes Jahr zu den Tarifverhandlungen, streichen.

Das Thema Krieg und Militarisierung war elementarer Bestandteil der diesjährigen Mobilisierung.
Das wurde auch auf der Auftaktkundgebung deutlich, wo alle Reden von Schulstreikbündnis, über Gewerkschaftszugenden bis zu zivilgesellschaftlichen Akteuren eine klare Kante gegen die Wehrpflicht und den Krieg zum Ausdruck brachten.

Diese Perspektive hat sich auch praktisch in der Auseinandersetzung mit der Gewerkschaftsführung geäußert. Der Widerspruch zwischen einer in Teilen klassenkämpferischen Gewerkschaftsbasis und Gewerkschaftsjugend mit klaren Standpunkt gegen Krieg und einer sozialdemokratischen, sozial-partnerschaftlichen Gewerkschaftsführung, welche nicht davor zurückschreckt für Arbeitsplätze den Burgfrieden auszurufen und sich auf die Seite der Kriegstreiber und des deutschen Kapitals zu stellen. Diese Widersprüche zeigen sich auch deutlich, wenn der Bundeskanzler auf Gewerkschaftsveranstaltungen auf der Bühne ausgebuht wird oder daran, dass es viel Zwischenrufe und wenig Applaus für den Kürzungsbürgermeister Frank Mentrup auf der Hauptbühne des DGB Festes gibt.

Ihrer Repression zum Trotz!

Was es bedeutet, wenn die Politik der Herrschenden immer mehr ins Wanken gerät, haben wir auch an dem untypisch hohen Polizeiaufgebot schon am Vormittag bei der DGB Demonstration gesehen, die primär den klassenkämpferischen Bereich begleiteten.

Am Ende der Demonstration war ein Straßentheater gegen die Wehrpflicht geplant. Hier hätte ein Kollege in Friedrich-Merz-Verkleidung Feldjägern befehlen sollen, Menschen aus der Menge zu ziehen, um sie symbolisch in den Krieg zu schicken.
Die Polizei stoppte dieses Straßentheater und drangsalierte die Beteiligten.
Ihr Versuch mit der Repression die Demonstration zu spalten misslang genauso wie ihr Versuch am morgen die Zubringer-Demo zur Auftaktkundgebung aufzuhalten. Spontan solidarisierten sich Teilnehmer:innen der Gewerkschaftsdemonstration und im Nachgang des 1. Mai gab es eine Stellungsnahme der Gewerkschaftsführung (siehe Anhang), in der das Verhalten der Polizei kritisiert wurde. Zudem zeigte die Tatsache, dass die Polizei ein friedliches Theaterstück gegen die Wehrpflicht stoppte und Menschen für diesen Akt des Widerstandes verhaftete, mit welcher Härte der Staat gegen Antimilitarismus vorgeht. In keiner Aktion oder Rede hätte man diesen Widerspruch und die sich verschärfende Repression besser darstellen können.

Wir sehen also wie weit der Staat selbst bei einem harmlosen Straßentheater bereit ist zu gehen, um anti-militaristischen Widerstand zu kriminalisieren. Das reiht sich ein in die massive Gewalt gegen die Rheinmetall-Entwaffnen Demonstration im Sommer 2025 und die Bespitzelung durch den Verfassungsschutz und Einschüchterungsversuche junger Schüler*innen im Kontext des Schulstreiks gegen die Wehrpflicht. Es reiht sich ebenfalls ein, in die Strategie der präventiven Aufstandsbekämpfung, wobei versucht wird schon jetzt Stimme, die dem Staat in seiner Kriegsvorbereitung gefährlich werden können einzuschüchtern, zu diffamieren und öffentlich zu delegitimieren.

Das vermehrt repressive Vorgehen der Polizei gegen fortschrittliche und revolutionäre Bewegungen ist ein Ausdruck der sich immer weiter zuspitzenden Krisenentwicklung. Das schafft eine neue Realität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen, und auf die wir Antworten finden müssen. Was wir aber auch am ersten Mai gesehen haben, ist die Stärke, die wir durch eine breite gesellschaftliche Verankerung entwickeln können, gerade wenn der Staat immer stärker versucht uns öffentlich zu diffamieren und zu kriminalisieren.
Generell war das Polizeiaufgebot höher als in den vergangenen Jahren.

Revolutionär kämpfen – für Befreiung und Sozialismus!

Beim Aufbau der revolutionären Demonstration zog sich das Vorgehen der Polizei weiter durch. Materialien wurden inspiziert, mutmaßlich wurden auch Beamte im Zivil eingesetzt, welche beim Aufbau und auch in der Demonstration unterwegs waren.
Ein besonderes Interesse galt hier der vermummten Rede des Revolutionären Aufbaus und dem Verlangen den Redner festzunehmen und zu kontrollieren, was durch kollektives und kreatives Handeln verhindert werden konnte. Das sind die ersten Eindrücke was in den nächsten Jahren noch auf uns zukommen kann, und dass gerade der Aufbau von festen revolutionären Strukturen, in den Fokus der Repressionsbehören geraten wird.

Auf der Demonstration gab es mehrere Aktionen, die auf die Beteiligung des deutschen Kapitals bei Kriege in der ganzen Welt aufmerksam machten. Es gab selbstbestimmte Momente, aber die Demonstration wurde auch immer wieder aufgestockt. Das führte zu vereinzelten Auseinandersetzungen mit der Polizei und dem Versuch sich kollektiv gegen die Schikane zu wehren. Die Stimmung auf der Demonstration war kämpferisch, die Erfahrung zeigt uns aber, wie eng unsere Handlungsspielräume auf angemeldeten Demonstrationen mittlerweile geworden sind.

Hier müssen uns an die aufkommenden Gegebenheiten anpassen, lernen uns aus Rückschlägen weiter zu entwickeln, neue Wege auszuprobieren ohne den Kopf in den Sand zu stecken oder handlungsunfähig zu werden.
Das lässt sich nicht auf dem Reißbrett entwerfen, sondern muss in der politischen Praxis erprobt und in einer Wechselwirkung zur Theorie stattfinden.
Der erste Mai eignet sich hierbei besonders, um Gedanken zur alltäglichen und generellen Praxis zu überprüfen und falls notwendig auf den Kopf zu stellen.

Hier ein kleiner Einblick in Debatten, welche in die Vorbereitung der revolutionären 1. Mai Demonstration stattgefunden haben:

  • Eine revolutionäre Haltung ist nichts ohne eine revolutionäre Handlung: Unsere Inhalte müssen den Anspruch haben sich auch in unseren Taten widerzuspiegeln. Dabei muss die Praxis immer auf einer realistischen Analyse der aktuellen Phase der Klassenkämpfe, der eigenen Stärke und der Stärke der Gegenseite beruhen.

  • Eine militante Straßenpraxis macht die Stärke, die wir haben greifbar und bricht mit der Erzählung eines übermächtigen Staat. Dabei ist die Vermittelbarkeit militanter Aktionen essenziell. Aktionen müssen einfach vermittelbar und der Feind leicht greifbar sein. Sie dürfen nicht willkürlich wirken. Unser Ziel ist es durch die Praxis das Klassenbewusstsein der Menschen zu stärken. Hierbei darf Legalität nicht als Maßstab gesetzt werden. Die Frage muss immer sein, welche Mittel es braucht, um unsere Ziele zu erreichen.

  • Eine gemeinsame Stärke können wir auch spürbar machen, wenn es zu Angriffen durch die Polizei kommt, indem wir uns durch das Verhalten der Polizei nicht einschüchtern lassen und die Konfrontation nicht scheuen. Das haben wir beispielsweise im Kessel nach dem Rheinmetall Entwaffnen Camp in Köln 2025 gesehen, wo mit Musik und Solidarität ein Moment der Schwäche in einen Moment der Stärke umgewandelt werden konnte. Wir haben es aber auch gesehen, als die Menschen auf der 1. Mai Demonstration sich weiterhin selbstbestimmt gegen die Polizei zur Wehr gesetzt haben, auch wenn es zu Angriffen kam.

  • Wir sind in der Phase des Bewegungsaufbaus und stehen gerade nicht am längeren Hebel. Deshalb beruhen viele Teile unserer Praxis auf dem Kampf, um die Köpfe. Das gibt Emotionen einen besonderen Stellenwert. Hier sind konkrete, aktuelle politische Entwicklungen unser Anknüpfungspunkte, um eine bestehende gesellschaftliche Stimmung zuspitzen. Gleichzeitig haben wir die Möglichkeit ein Gefühl der Gemeinschaft und Teilhabe zu erzeugen. Dafür ist es aber auch wichtig, die ganze Demonstration als lebendige Masse zu begreifen und Teile der Demonstration nicht als Zuschauer:innen am Wegrand stehen zu lassen, während eine choreographierte Demonstration „vorgeführt“ wird. Dabei lassen sich auch Emotionen nicht choreographieren, es ist aber essenziell ein Gefühl dafür zu entwickeln, in welchem Momenten das Potential dafür da ist, sie zuspitzen, flexibel damit zu agieren und sie in die Praxis zu übersetzen.

  • Oft begrenzen wir uns selbst durch eine rigide Vorstellung von Abläufen und Ordnung. Mit durchgeplant und durch getakteten Demonstrationenchoreographien machen wir uns auch für die Polizei berechenbar und selbst viel zu oft handlungsunfähig. Wir müssen wieder lernen flexibler zu sein, spontan reagieren zu können und dezentraler auf der Straße zu handeln. Hierbei können und sollten Möglichkeiten und Konzepte ausgearbeitet werden, welche jedoch nicht nach einem festen Ablaufplan abgespielt werden. Der Bruch mit einem Plan muss nicht zwangsläufig ein Fehler sein. Denn Veränderung bedeutet nicht, dass das Alte falsch war, sondern, dass die objektive Bedingungen unsere Kämpfe verändert haben. Gleichzeitig wollen wir lernen mutiger zu werden, realistische Einschätzungen über Handlungsspielräume erkennen und uns nicht selbst unüberwindbare imaginäre Bullenketten in den Weg stellen.

  • Wir müssen Menschen breit zur konkreten Handlung, zu eigenen Einschätzungen und zum Übernehmen von Verantwortung befähigen, nicht nur zum Befolgen von Anweisungen. Gleichzeitig müssen wir lernen uns in unkontrollierbaren Situationen zurechtzufinden und mit und in Massendynamiken agieren. Das bedeutet manchmal auch unsere Ansätze in der Praxis auf den Kopf zu stellen. Das kollektive Handeln der ganzen Masse sehen wir hier als Gegensatz zur Machtlosigkeit. Gegenmacht wird darin konkret erlebbar. Es lässt sich Wut schüren, fördern, ausbauen und in die Praxis übersetzten und das als gesamte Demonstration. Die entstehende Wut muss auf der Straße kanalisiert und in gezielte Bahnen gelenkt werden, damit eine gemeinsame Gegenmacht entstehen kann.

  • Die Gefahr durch immer selbstbewusster auftretenden Faschist:innen wird immer konkreter. Hier müssen wir uns auf die kommende Zeit vorbereiten und uns breit auf die Auseinandersetzung mit Faschist:innen befähigen. Dabei gibt es verschiedene Methoden und Herangehensweisen, die ihre Kraft durch das Zusammenspiel aller Ebenen entfalten.

  • Das Durchführen von klassischen Aktionen innerhalb einer Demonstration kommt durch die Überwachungsmöglichkeiten der Cops und der Berechenbarkeit auf unserer Seite immer mehr an seine Grenzen. Hier müssen wir lernen neu zu denken uns neue Handlungsspielräume zu erkennen.

Das sind auch nur einige Einblicke in dem aktuellen Diskurs, die natürlicherweise bei einer Veröffentlichung im Internet immer begrenzt bleiben.

Kultur und Kollektivität als Teil von Gegenmacht

In diesem Jahr haben mit dem Ausrichten eines Straßenfest am Nachmittag, beim Linken Zentrum Barrio137 in der Südstadt einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Wenn wir den Aufbau von Gegenmacht als allumfassenden Aufbau der eigenen Seite begreifen, gehören dazu auch kulturelle und soziale Angebote.

Dabei geht es nicht nur darum, der eigenen Bewegungen einen kollektiven Abschluss eines kämpferischen Tages zu bieten, sondern auch darum einen Raum zu schaffen für interessierte Menschen aus dem Stadtteil, Familien, Freund:innen und all jene, die sich die konsumorientieren Angebote des Kapitalismus nicht mehr leisten können.
Neben bezahlbaren Essens- und Getränkeangeboten und einem Kinderbereich, gab es die Möglichkeit sich über unseren politischen Ziele und unsere Arbeit zu informieren.
Musikalische Beiträge des Arbeiter:innenchors Rotkrakelchen, sowie eine Balkanband rundeten das Programm ab.

Auch wenn es ungeplant war, dass die revolutionäre Demonstration nicht ihre vorgesehene Abschlusskundgebung abhalten konnte und nach einer kurzen Auseinandersetzung mit der Polizei sich direkt in das Straßenfest auflöste, haben wir diese Wendung positiv nachbereitet. Dadurch wurde deutlich, dass beide Seiten zusammengehören und wir als linke und revolutionäre Bewegung auf der Straße gegen Staat und Polizei kämpfen und gleichzeitig ein familienfreundliches Straßenfest ausrichten. Diese beiden Aspekte gehören untrennbar zusammen und genau das wollen wir auch vermitteln.

So wie es ist, muss es nicht bleiben

Im Gesamten können wir auf einen erfolgreichen 1. Mai zurückblicken, an dem wir als Bewegung gewachsen sind, Neues ausprobiert haben und viele Genoss:innen sich weiterentwickelt haben.
Diese Erfahrungen gilt es jetzt zu theoretisieren und daraus neue Schlüsse zu ziehen. Um auch nicht zu stagnieren, sondern auch weiterhin einen Beitrag zum Aufbau einer bundesweiten revolutionären Organisierung zu leisten.
Einen Beitrag zu einem Aufbauprozess, welcher nicht gradlinig verlaufen wird, in welchem Fehler kommen werden und welcher vor dem Hintergrund fehlender historischen Kontinuität kommunistischer Organisierung in den letzten Jahrzehnten stattfindet.
Die Rolle und Verantwortung als revolutionäre Struktur, die wir in unserer Bewegung einnehmen ist keine einseitige. Es bedeutet nicht, sich unterzuordnen und mit blindem gehorsam Anweisungen zu folgen, es bedeutet für Alle ein aktiver Teil im Aufbau einer neuen Welt zu sein. Gerade im Hinblick auf eine Zukunft, die uns vor neue, gravierende Herausforderungen stellen wird und eine Ernsthaftigkeit in unserem politischen Handeln erfordert.

Über unsere Perspektive auf die derzeitige und kommende politische Entwicklung und unsere Rolle als revolutionäre Organisation darin, haben wir auch in unserer Rede zum 1. Mai gesprochen. Die könnt ihr hier noch einmal nachlesen:

Revolutionärer Aufbau Karlsruhe

Hallo liebe Genoss:innen,

Ich spreche hier für den Revolutionären Aufbau Karlsruhe.

Die aktuellen Verhältnisse in denen wir leben sind frustrierend. Frustrierend nicht nur für uns als politische Aktivist:innen, sondern frustrieren für alle, die sich keine Lebensmittel mehr leisten können. Die beim Tanken 40€ mehr für eine Tankfüllung zahlen müssen. Für alle, die sich lieber 3 mal überlegen, ob sie wirklich Kinder wollen und für die, die schon Kinder haben und alles teurer wird.

Für alle, die nicht mehr wissen, wie sie sich ihr Überleben leisten sollen.

Das Vertrauen in die herrschende Politik ist bei vielen verloren und eine ganze Generation macht sich öffentlich über den Bundeskanzler lustig.

Die Unzufriedenheit wächst und wird auch unmittelbar nach Außen getragen. Die Notwendigkeit einer anderen Gesellschaft ist keine Utopie, sondern Grundlage für ein gutes Leben für alle und die Motivation, warum wir heute gemeinsam zur revolutionären 1. Mai Demo zusammen gekommen sind.

Auch wenn die Zeiten reif wären für den Bruch mit diesen ausbeuterischen Verhältnissen, steht die Machtfrage aktuell nicht auf der Tagesordnung. Stattdessen sehen wir einen autoritären Staatsumbau auf allen Ebenen. Mehr Bullenpräsenz, mehr Überwachung und Aufrüstung, Gesetzesänderungen, sozialer Kahlschlag. Während Deutschland sich im globalen Wettrüsten und Kriegeführen wieder an die Spitze stellt, muss die eigenen Bevölkerung klein gehalten werden und jeder Widerstand gegen diese Zustände soll im Keim erstickt werden.

Wenn sich die Krisen so schnell zuspitzen und die Welt sich täglich verändert, müssen auch wir uns als revolutionäre Bewegung daran anpassen.

Veränderung bedeutet nicht, dass das Alte falsch war, sondern dass sich die objektiven Bedingungen unserer Kämpfe verändert haben.

Aktuell fehlt es auf allen Ebenen an Klassenbewusstsein und revolutionären Anknüfungspunkten. Diese müssen wir aufbauen. Das heißt all die Teilkämpfe, die wir in den letzten Jahren geführt haben, klarer mit einer revolutionären Perspektive in Verbindung setzen, aber auch die betrieblichen und gewerkschaftliche Arbeit wieder mehr in den Fokus rücken. Hier sammelt sich ein großer Teil unsere Klasse mit denen es gilt Seite an Seite die Angriffe des Kapitals abzuwehren und im gemeinsamen Kampf ein Bewusstsein entstehen zu lassen. Dabei müssen wir den Kämpfen unserer Klasse einen Rahmen geben, eine aktive und voranschreitende Rolle in ihnen einnehmen und die Perspektive eine klassenlosen Gesellschaft greifbar zu machen.

Wir müssen lernen flexibler in unsere Arbeit auf neue Herausforderungen zu reagieren, neue Potentiale zu sehen, und uns nicht an alten Methoden fest halten. Was die letzten 10 Jahre gut funktioniert hat, kann sich heute im Sande verlaufen.

Aber wir sehen auch, dass sich immer mehr Menschen und vor allem junge Menschen zu einer sozialistischen und kommunistischen Perspektive bekennen undauf die Straße gehen, um dafür zu kämpfen. Für sie und alle, die im Kapitalismus nichts zu gewinnen haben, wollen wir offen sein, revolutionäre Organisierungsangebote schaffen und gemeinsam kämpfen.

Gleichzeit ist, unsere Strukturen bestmöglich zu schützen, die Voraussetzung für unser weiteres Handeln, denn der Staat wird das, was wir tun, nicht unbeantwortet lassen und früher oder später mit voller Härte drauf schlagen.

Diesen Widerspruch gilt es aufzulösen und neue Wege zu finden. Cleverer zu werden, neu zu denken und den Staat und seine Bullen aus zu tricksen. Das gilt sowohl auf der Straße, wie auch in den Kleinigkeiten des Alltags. Dabei sind wir zwar vorerst in der Defensive, dennoch werden wir Mittel und Wege finden.

Wenn sich die Zeiten verändern, ist die revolutionäre Organisierung der kontinuierliche Teil im Aufbau einer revolutionären und klassenkämpferischen Bewegung. Sie bildet den strategischen Kern mit der Aufgabe, die historischen und aktuellen Erfahrungen in Verbindung mit den Gegebenheiten von heute zu setzen und daraus eine Teilstrategie im revolutionären Aufbau zu entwickeln.

Diese Strategie muss in der Praxis angewandt, überprüft und angepasst werden. Für diese Aufgabe brauchen wir Ansatz- und Orientierungspunkte. Brauchen wir konkrete Erfahrungen aus der konkreten Praxis, der konkreten Auseinandersetzung mit dem Feind und dem Wirken in Klassenkämpfen.

Diese Aufgabe ist nicht leicht und die Arbeit in den kommenden Jahren wird nicht gradlinig verlaufen. Wir werden Fehler machen, auch gravierende Fehler.

Genau vor diesem Grund kann eine revolutionäre Struktur sich nie alleine entwickeln.

Nur gemeinsam mit einer entschlossenen und revolutionären Bewegung mit Genoss:innen, die den Mut haben sich all diesen Herausforderungen zu stellen, die den Kopf nicht in den Sand stecken und einen langen Atem behalten. Die, die Probleme der Zeit mit einer Ernsthaftigkeit und Anpassungsfähigkeit angehen. Genossinnen die, die Potentiale des Frauenkampf in den revolutionären Prozess einbringen.

Und wenn in diesem Land Rechte wieder auf Menschenjagd gehen, Geflüchtetenunterkünpfte anzünden und rassistische Hetze verbreiten, werden wir gemeinsam dagegen ankämpfen und uns dem rasstischen Mob in den Weg stellen.

Wenn die Regierung uns in den Krieg schickt und unsere Klassengeschwister auf der ganzen Welt tötet, sind wir Teil einer klassenkämpferischen, antimilitaristischen Bewegung und werden Wege suchen, die Kriege der Herrschenden zu sabotieren.

Wenn Frauen nach und nach ihre Rechte und ihre Selbstbestimmung abgesprochen wird und sie mit massiver Gewalt konfrontiert sind, werden sich Frauen, wo immer sie können, gegen diese Unterdrückung wehren.

Wenn unsere Klasse immer weiter mit Armut und Gewalt konfrontiert ist, müssen wir es schaffen, dass mehr Menschen Teil unserer Bewegung werden und gemeinsam kämpfen.

Zusammen werden wir lernen, uns aus Rückschlägen weiterzuentwickeln.

Mit aller Liebe zum Leben und in Solidarität miteinander.

Dabei sind wir nicht allein. Wir sind Teil einer bundesweiten, einer weltweiten Bewegung, die nicht still sein wird, bis der Kapitalismus überwunden ist.

Für die Solidarität der Völker. Für die Befreiung der Menschheit von der Ausbeutung des Menschen. Für eine revolutionäre Perspektive. Für den Kommunismus!“


Offener Brief des DGB Stadt- und Kreisverband Karlsruhe

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Mentrup, Sehr geehrte Frau Polizeipräsidentin Denner, Sehr geehrter Herr Lipp,

das aus unserer Sicht unverhältnismäßige Vorgehen der Einsatzkräfte während unserer DGB Demonstration am 1. Mai 2026 in Karlsruhe erschüttert uns. Das Vorgehen der Einsatzkräfte ist für uns unverständlich und nicht nachvollziehbar. Hauptamtliche Mitarbeitende von der ver.di mussten ihre Personalien angeben, obwohl die Banneraktion am ver.di-Haus in der Rüppurer-Straße im Kooperationsgespräch mit Polizei und Ordnungsamt angekündigt und ausdrücklich genehmigt worden war.

Zudem bewerten wir das Vorgehen der Einsatzkräfte als unverhältnismäßig. Es wurde hart gegen Demonstrierende vorgegangen, die mit einer friedlichen Aktion gegen die Wehrpflicht demonstrieren wollten. Dabei wurde unsere 22-jährige Kollegin aufgefordert, eine Hose in Camouflage-Muster auf offener Straße auszuziehen.

Bei dem Hinweis, sie habe nichts drunter außer einer Unterhose, war dies der Polizei egal. Da sie dies nicht befolgte, wurde sie festgenommen. Dabei wurde nicht einmal der Versuch unternommen, den Versammlungsleiter oder unsere Ordner einzubeziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, mit der betreffenden Person zu sprechen. Unabhängig davon rechtfertigt die Situation in keiner Weise das Abführen dieser Personen, zumal den Anweisungen der Polizei, bis auf das Hose ausziehen, Folge geleistet wurde.

Wir sehen an dieser Stelle von der Aufzählung weiterer von uns beobachteten Maßnahmen seitens der Einsatzkräfte ab. Festzuhalten bleibt jedoch, dass mehrere Personalien aufgenommen und zwei Personen abgeführt wurden. In diesem Zusammenhang erwarten wir, dass sämtliche Vorwürde fallengelassen werden und keine strafrechtlichen Konsequenzen für die Betroffenen entstehen.

Unsere Maidemonstration verlief in der Vergangenheit ebenso wie diesem Jahr stets friedlich. Das Verhältnis zu den Einsatzkräften war bisher durchweg positiv. Umso mehr irritiert uns das große Aufgebot der Einsatzkräfte und das unverhältnismäßige Vorgehen in diesem Fall. Wir verstehen die Aufgabe der Einsatzkräfte dabei ausdrücklich auch darin, die Ausübung unserer demokratischen Rechte zu schützen und zu gewährleisten.

Wir fordern eine umfassende Aufklärung der Ereignisse und erwarten, in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen zu klären, wie wir zur bisherigen ebene der Zusammenarbeit zurückfinden können.

Mit freundlichen Grüßen

Dieter Bürk / Vorsitzender des DGB Stadt- und Kreisverband Karlsruhe

Kurt Amberger / Vorsitzender des Ortsverbandsvorstandes Karlsruhe der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft

Martin Sambeth / 1. Bevollmächtigter IG Metallgewerkschaftsstelle Karlsruhe

Thorsten Dossow / Bezirksgeschäftsführer ver.di Mittelbaden-Nordschwarzwald

Jens-Björn Arndt / Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Vorsitzender Kreis Karlsruhe

Karsten Rehbein / Bezirksleiter IGBCE Bezirk Karlsruhe

Elwis Capece / Geschäftsführer NGG Region Mittelbaden-Nordschwarzwald“